Totempfahl der Waffenkultur

Rhode Island, der kleine Ocean State im Nordosten, hat eine Menge zu bieten, was Touristen aus Europa leider oft verborgen bleibt. Die Atlantikstrände wären da zu nennen; die schöne Küste, vor der oft und gut gesegelt wird und liebenswerte Städte wie Providence oder Newport.

Manche Sehenswürdigkeit aber ergibt sich, hier wie an anderen Orten, erst beim zweiten Hinsehen. Vor dem Gerichtsgebäude in Providence zum Beispiel steht ein Betonpfeiler mit Rostflecken. Denkt man zumindest, bis man etwas genauer hinsieht. Dann entpuppen sich die Rostflecken als verrostete Pistolen. Handfeuerwaffen in Beton, das muss Kunst sein. Oder?

Der Hintergrund des im Volksmund als "Gun Totem" bekannten Kunstwerks liegt in einer ziemlich pragmatischen und ziemlich erfolgreichen Idee. Michael P. Hirsh, ein Kinderarzt aus Neu-England, hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der sich auf den Straßen im Umlauf befindlichen Handfeuerwaffen zu reduzieren. Hirsh hatte selbst miterleben müssen, wie ein befreundeter Kollege bei einem Raubüberfall viele Jahre zuvor erschossen worden war. Er griff die Idee eines Teppichhändlers aus Pittsburgh auf, der all jenen Waffenbesitzern einen kostenlosen Teppich versprochen hatte, die ihm ihre Waffe zum Einschmelzen vorbei brachten und dessen Warenlager in Folge eines gewaltigen Ansturms nach wenigen Tagen beinahe komplett geleert worden war.

Hirsh suchte Partner in Providence, die ein ähnliches Programm mit ihm durchführen würden und hatte bald genug zusammen, um das Programm "Guns for Goods" zu starten. Auch hier in Rhode Island war die Idee ein durchschlagender Erfolg. Tausende Waffen wurden eingesammelt. Einen Teil der Beute übergab er dann an den Künstler Boris Bally, der das Mahnmal errichtete. "Es wird als eine Art metallische Warnung vor dem Übel und der Gewalt in der heutigen Gesellschaft dienen", erklärte der Künstler dazu. Auf jeden Fall dient das Denkmal an eine Erinnerung daran, dass es viele gute Ideen gibt, die manchmal erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.    

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