12/28/2016

TV-Demokratie

Wir leben in Zeiten, in denen Umfragen nicht mehr so recht in der Lage zu sein scheinen, politische Stimmungen richtig zu interpretieren. Also müssen neue Maßstäbe und Orientierungspunkte her. Die New York Times, die ihrerseits seit dem 9. November gedanklich damit zu kämpfen hat, dass Außenseiter Trump die Wahl gewonnen hat, scheint diese Ankerpunkte nun gefunden zu haben - auf dem Fernsehbildschirm.



Das sind die Robertsons. Die Robertsons betreiben in Louisiana eine Fabrik für Ententröten, also für Pfeifen, die den Lockruf von Enten imitieren. Das ungewöhnliche (übrigens millionenschwere) Unternehmen und die nicht minder ungewöhnliche Familie sind das Thema einer Reality-TV-Serie namens "Duck Dynasty", die seit 2012 im amerikanischen Kabelfernsehen läuft. Bei den Robertsons geht es in der Regel rustikal zu. Man ist bibelfest, man mag moderne Technik weniger gern und man mag es auch nicht besonders, wenn Frauen aus den ihnen zugedachten Rollen auszubrechen suchen. Patriarch Phil Robertson sorgte 2013 für einen Skandal, als er sich in einem Interview zu abwertenden Äußerungen über Schwarze und Homosexuelle hinreißen ließ. 

Es ist also eher das einfache Gemüt, das in dieser Sendung thematisiert wird; böse Zungen würden behaupten, es sei eine Redneck-Show mit reaktionären Anklängen. Wie dem auch sei, die Leute von der Times haben sich mal angesehen, wo die Facebook-Präsenz dieser und anderer Serien die meisten "Gefällt mir"-Angaben herbekommen haben. Es ergab sich ein wirklich interessantes Bild bei manchen Serien, besonders bei "Duck Dynasty". Diese Sendung erfreut sich größter Beliebtheit in ländlichen Regionen vor allem in Texas und Arkansas und - so bemerkt es die Times nicht ohne Wohlwollen - bei keiner anderen Sendung war die Korrelation zwischen Trump-Wählerschaft und Serien-Faneigenschaft so hoch wie bei Duck Dynasty. 

Die ganze Auswertung mit allen Regionen der USA und 50 verschiedenen TV-Shows gibt es hier: http://www.nytimes.com/interactive/2016/12/26/upshot/duck-dynasty-vs-modern-family-television-maps.html?
   

12/18/2016

Versandet



Florida hat mehr als ein Pfund, mit dem es auf dem internationalen Tourismusmarkt wuchern kann, aber seine Strände spielen eine der wichtigsten Rollen. Sandstrand, möglichst weißer, wirkt in Werbebroschüren immer noch am Besten. Derselben Erkenntnis folgt man nicht nur in Miami Beach, sondern auch in so ziemlich jedem Ort entlang der Atlantikküste, der einen Zugang zum Meer vorzuweisen hat; ganz gleich ob in Florida oder Georgia, Virginia oder New Jersey.

Um die typischen Bilder weiter vorweisen zu können, um das Gefühl vom warmen Sand auf der Haut vermitteln zu können, müssen diese Strandgemeinden aber immer mehr aufwenden und es ist nicht auszuschließen, dass es mancherorts diese Bilder gar nicht mehr geben wird.

Der Grund dafür ist die Tatsache, dass es die Strände eigentlich heute schon nicht mehr gibt. In den 1970er Jahren war der Strand von Miami Beach eigentlich schon so gut wie verschwunden, denn Welle auf Welle spült etwas vom Sand weg und lässt den Strand erodieren. Aus diesem Grund werden alle Strände in den Zeiten, in denen nicht so viele Touristen da sind, "repariert", was bedeutet, dass Sand herbeigeschafft wird. Dazu wird in der Regel einfach Sand aus dem Meer gegraben und der Strand damit aufgefüllt. Das allein ist schon eine extrem kostspielige Angelegenheit. 8,6 Milliarden Dollar, so haben es Forscher an der Western Carolina University ausgerechnet, wurden in den USA schon investiert, um Sandstrände wie natürliche Sandstrände aussehen zu lassen, die sie schon lange nicht mehr sind.

Das Problem wird sich in Zukunft verschärfen und man kann nicht ausschließen, dass die Kosten irgendwann nicht mehr von den Einnahmen aus dem Tourismus abgedeckt werden können. Ein Grund dafür ist der Klimawandel: Je höher der Meeresspiegel steigt, desto mehr Sand geht verloren. Hurrikane, wie sie vor allem in Florida vorkommen, tragen ebenfalls viel Sand weg.

Noch wichtiger aber ist ein anderer Grund. Weil man nicht einfach irgendwelchen Sand nehmen kann, damit sich der Strand "richtig" anfühlt, nimmt man in aller Regel den Sand aus dem Meer direkt vor der eigenen Küste. An manchem Ort allerdings - Miami Beach ist das bekannteste Beispiel dafür - gibt es auch im Meer schlicht und ergreifend nichts mehr zu holen. Wenn man also den Strand bewahren will und auch die Bauten, die entlang der Küste errichtet worden sind, dann bleibt nichts anderes mehr übrig, als den Sand andernorts zu kaufen. Zuletzt gab Miami Beach mehrere Millionen Dollar aus, um aus der Nähe von Orlando Sand zu kaufen. Mittelfristig allerdings könnte ein Nachbarstaat der USA zum großen Profiteur werden und eine regelrechte Goldgräberstimmung erleben: Der Sand von den Bahamas ist, so berichten Experten und Einkäufer, von feinster Qualität und Farbe.