10/28/2016

Wo die zweite Scheibe Käse auf dem Cheeseburger herkommt

Es türmt sich ein gewaltiger Berg auf. Er besteht aus Käse und er wächst jeden Tag weiter. Ein erhellender Artikel bei Vox.com warf neulich ein Schlaglicht auf das kaum für möglich gehaltene Spannungs- und Interdependenzverhältnis zwischen China, amerikanischer Käseproduktion, Russland und dem Rückgang des Anteils der weißen Bevölkerung in den USA. Das alles fügt sich tatsächlich zusammen und diese Story geht ungefähr so:


Mehr als 500 Millionen Kilo Käse lagern derzeit in Kühlhäusern überall im Land, das Ergebnis einer hemmungslosen, profitgetriebenen Überproduktion in den letzten Jahren. Diese wiederum war die Folge eines Aufschwungs für die chinesische Mittelklasse vor zwei Jahren, die sich in einem Heißhunger der Chinesen auf Milchpulver ausdrückte. Sicher auch auf andere Dinge wie Reisen nach Europa und Luxusuhren aus Schweizer Produktion, aber eben auch auf Milchpulver.

Der amerikanische Farmer handelte schnell, kaufte Extra-Kühe und fuhr die Produktion von Milch hoch. Dank der Chinesen stiegen die Preise kräftig und da wollte der amerikanische Farmer gerne mitmachen. Doch dann spielten die politischen Entwicklungen nicht mehr mit. Chinas Wirtschaft kam ins Stocken, die EU hob die Deckelung der Milchproduktion auf, der steigende Dollarkurs machte amerikanische Produkte teurer, die Russen waren beleidigt und wollten keine westlichen Lebensmittel mehr kaufen und plötzlich war da viel zu viel Milch und viel zu viele Kühe, die immer weiter Milch produzierten.

Die Milch kam auf den heimischen Markt, wo sich die Verbraucher über billige Milchpackungen freuten und die Käsemacher auf einmal günstige Rohstoffe vorfanden. Nur - so viel Käse können die Amerikaner nicht essen. Zumal die weiße Bevölkerung, die früher im Durchschnitt am meisten Milch konsumierte, immer geringere Anteile an der Bevölkerung stellt. Und so verdirbt der Käse jetzt langsam und noch viel schneller verdirbt die Milch, die gar nicht erst an die Käsemacher verkauft werden konnte. Manchmal verdirbt sie so schnell, dass die Milchhersteller ihre Produkte einfach in die Landschaft ablassen müssen.

Die Regierung musste eingreifen. Zur Regierung gehört das Landwirtschaftsministerium und das kauft immer mal für ein paar Millionen Milch und Käse auf, damit nicht noch mehr Milch- und Käsemacher pleite gehen. Zum Landwirtschaftsministerium gehört auch die Marketinggesellschaft Dairy Management Inc. (DMI), die bei Unternehmen dafür wirbt, dass sie mehr Milchprodukte kaufen und verarbeiten sollen. Zum Beispiel hat die DMI McDonald's davon überzeugt, dass Cheeseburger mit zwei Scheiben Käse einfach besser schmecken.

Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. Die Amerikaner müssten viel, viel mehr Käse essen, das würde helfen, aber auch dann bleibt noch immer ein riesiger Berg übrig. Vielleicht brauchen die Chinesen ja bald wieder Milchpulver.

10/09/2016

Russlands Kolonie in Kalifornien

Mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche bekamen die USA am 30. März 1867 dazu, als sie dem schwer in Geldnot geratenen russischen Zaren Alaska abkauften. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten sich Russen in Alaska niedergelassen, sie lebten in aller Regel vom Pelzhandel - wobei sie die eingeborene Bevölkerung der Aleuten als Sklaven benutzten. Allerdings hatte man die Population der Otter, auf deren Fell es die Kolonialherren abgesehen hatten, ziemlich rasch so weit dezimiert, dass sich das Jagd-Business nicht mehr richtig lohnte. Auch das mit der Landwirtschaft wollte auf Alaska Boden nicht so recht funktionieren und so wurde es Zeit, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen.


So fiel der Blick auf Kalifornien. Dort hatten die Spanier zu jener Zeit schon allerhand Kolonien errichtet und es ging ihnen nicht schlecht. Die Russen hatten mit den Spaniern zuvor schon so einiges an Handel getrieben und gemeinsam auf die Jagd gegangen war man an der kalifornischen Küste auch schon. So kannten sie die Region also und, mal ehrlich, irgendwie sah Kalifornien halt auch ansprechender aus als Alaska. Fruchtbare Böden gab es da und auch Otter.

Ab 1808 begannen so die Bemühungen um die Errichtung einer permanenten russischen Siedlung in Kalifornien. So richtig wollte das anfangs nicht klappen und nach und nach tauchten dann auch immer mehr Otterpelzjäger in den Gewässern auf, so dass die Beute auch hier bald knapp wurde. Einige kleinere russische Siedlungen entstanden dennoch, mit einem Fort als Zentrale, das später von französischen Entdeckern als "Fort Ross" bezeichnet wurde, wobei das "Ross" auf "russisch" und eine Lautverschiebung zurückzuführen ist.



Doch so richtig glücklich wurden die Russen hier auch wieder nicht. Ein Chronist beklagte nach einiger Zeit, dass das Fort und die Ländereien nur Ausgaben, aber kaum Ertrag einbrachten - die landwirtschaftlichen Bemühungen waren wenig erfolgreich. So verloren sie bald den Spaß an ihren kalifornischen Ländereien und suchten nach jemandem, der ihnen das Fort und die Siedlungen abkaufen würde, zunächst erfolglos. Schließlich war es John Sutter, der deutsch-schweizerische Pionier, der maßgeblich zur Entwicklung Kaliforniens beigetragen hatte, der Fort Ross kaufte, für 30.000 Dollar. Das war das Ende der russischen Kolonie in Kalifornien.

Doch eine Geschichte mit russischer Beteiligung kommt natürlich nicht ohne Komplikationen aus. 2009 drohte dem kalifornischen State Park aus finanziellen Gründen die Schließung. Schließlich sprang eine russische Firma aus New York ein und half mit einer Finanzspritze aus. Und in jüngerer Vergangenheit haben irgendwelche Leute mit Agenda die Geschichte um Sutter wieder ausgegraben und die Behauptung aufgestellt, dass die 30.000 Dollar nie bezahlt worden seien. Aus diesem Umstand, so geht die Legende weiter, erwachse natürlich auch im Jahr 2016 noch ein Anspruch Russlands auf die Ländereien. Die Tatsache, dass Sutters Zahlung belegt ist, spielt bei einer solchen Agenda natürlich keinerlei Rolle.


Fort Ross California State Historic Park, bei Jenner im Sonoma County, täglich geöffnet
http://www.parks.ca.gov/?page_id=449