3/18/2016

Wertvolle Lektionen

Und noch einmal Baseball, diesmal aber aus einem völlig anderen Blickwinkel.

Ein wirklich überragender Spieler war Adam LaRoche wohl nie, aber ein überdurchschnittlicher und trotzdem einer, der in Erinnerung bleibt. LaRoche ging immer seinen eigenen Weg, eckte auch mal an. Seit 2004 spielte er in der höchsten Liga, für insgesamt sechs Teams war er aktiv. Natürlich verdiente er, bei den astronomischen Summen, die im US-Profisport heute so hingeblättert werden, mehr Millionen, als er jemals wird ausgeben können.

LaRoche hat einen Sohn namens Drake und diesen band er regelmäßig in seinen Terminplan ein, nahm ihn mit zu Spielen, Trainingslagern und Trainingseinheiten. Nun muss man wissen, dass ein Baseball-Profi in den USA den ganzen Sommer über so gut wie nie zuhause ist, weil der Terminplan wirklich anspruchsvoll ist. Dass man also möglichst viele Gelegenheiten nutzen will, um mit der Familie zusammen zu sein, versteht sich. Auch muss man wissen, dass Adam LaRoche selbst der Sohn eines ehemaligen Profis ist und auch ihn hatte der Vater immer überall mit hin genommen.

Drake allerdings ist nun der Grund geworden, warum Adam LaRoche den Baseball-Handschuh an den Nagel gehangen hat. Kenny Williams, Vizepräsident bei den White Sox, zitierte den Spieler dieser Tage zu sich und ließ ihn wissen, dass es fortan nicht mehr gehen würde, dass Drake jeden Tag und immer und überall dabei sei. Manchmal sei es OK und es habe auch niemand was gegen den Jungen, aber so jeden Tag, das gehe nicht mehr. Adam LaRoche reagierte darauf nicht, wie ein professioneller Baseballspieler reagieren würde. Er reagierte eigentlich eher so, wie ein Vater reagieren würde, der es sich leisten kann.

"Wenn das so ist", so ließ er die Öffentlichkeit wissen, "dann höre ich eben auf mit Baseball." Sprach es, packte seine Tasche und erklärte seine Karriere für beendet. Das kann man sehen als die Aktion eines prinzipientreuen, liebenden Vaters, dem die Familie mehr bedeutet als die 13 Millionen, die er diese Saison verdient hätte und einige seiner Mannschaftskameraden haben sich auch dementsprechend geäußert.

Man kann es aber auch sehen als die eigensinnige, beleidigte Reaktion eines Mannschaftssportlers, der sein Team ein paar Tage vor der Saison im Stich lässt.
 


3/11/2016

Boys of Summer bringen den Frühling

Es ist ja nachvollziehbar, dass Baseball in Europa nicht besonders beliebt ist. Schließlich gibt es kaum Berührungspunkte mit dem Sport, der - das sei an dieser Stelle pflichtschuldig angemerkt - eine wirklich interessante und faszinierende Mischung aus Taktik, Technik, Werfen, Schlagen, Fangen und Rennen ist. Ebenso pflichtschuldig sei angemerkt, dass selbst wenn man von den Regeln so gar nichts versteht, ein Besuch eines Baseball-Spiels während einer Urlaubsreise ein ganz und gar großartiger Weg ist, etwas über die Amerikaner zu erfahren und mit den Amerikanern zu erleben. Die "Boys of Summer", wie Baseballspieler in Anlehnung an nostalgisch erinnerte Zeiten genannt werden, gehören zum Sommeralltag der Amerikaner einfach dazu, besonders dann, wenn Football und Basketball Pause haben.

Die Saison beginnt jedes Jahr im April und hält für jede Mannschaft unfassbare 160 Spiele bereit. Fast jeden Tag eins, bis Oktober. Viele US-Metropolen sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, nagelneue Baseball-Stadien mitten in Downtown anzusiedeln, um mit diesem Schachzug die Innenstädte zu beleben. Diese Baseball-Stadien sind nicht nur schick, sondern auch auf modernen Sportkonsum ausgerichtet; soll heißen, es geht darin viel um die "Fan Experience", um bequemes Sitzen, Merchandise kaufen und Show genießen.

Baseballspieler in den USA sind Superstars. Sie verdienen Summen jenseits der Vorstellungskraft, fliegen in Privatjets und daten Models und Schauspielerinnen. Mit Breitensport oder der sprichwörtlichen Little League hat das so viel zu tun wie die Laienspielgruppe des Seniorenheims in Bottrop mit Steven Spielberg.

Im Frühjahr ist das anders. 15 Teams aus der Major League beziehen dann ihr Frühjahrs-Trainingslager in Florida, die anderen 15 gehen nach Arizona. Unter der Sonne üben sie da Taktik, geben ihren Armen den nötigen Schwung zurück, verlieren ein paar Winterpfunde und vor allem beginnen sie damit, gegeneinander zu spielen, jeden Tag. Diese Testspiele, ebenso wie die Trainingseinheiten, finden in kleinen, familiären Stadien statt, die sich ganz bewusst den Fans öffnen. Hier kann man als ganz normaler Sportsfreund über den Zaun lehnen, sich einen Ball von einem dieser Superstars signieren lassen und sogar das eine oder andere Wort mit einem Spieler wechseln, der zu den ganz großen Namen dieser Sportart gehört. Und das Beste daran ist, dass die Spieler diese Gelegenheit gern wahrnehmen, dass es eben keine Pflichtübung ist.

Baseball ist groß, es ist voll amerikanisch und es ist an Professionalität sicher weiter als zum Beispiel die Bundesliga. Am Spring Training aber können sich viele Profiligen ein Beispiel nehmen, denn das was hier beiderseitig an Liebe zum Spiel dargeboten wird, das lässt sich nicht erzwingen.