2/21/2016

Den Geist vertreiben, der von außen kam

Donald Trump ist ja eigentlich gar kein Republikaner. Um bei den Präsidentschaftswahlen im November eine ernsthafte Chance zu haben, muss man auf dem Ticket einer der beiden großen Parteien antreten, das hat die Vergangenheit gezeigt. Trump hat sich dafür die Republicans ausgesucht und zwischenzeitlich auch schon mehr als einmal verkündet, dass er das auch bleiben lassen und auf eigene Faust in den Wahlkampf ziehen könne. Streng genommen wäre das eigentlich das Beste, was den Republikanern passieren könnte.

Trumps wüste Rhetorik und seine ominösen Ankündigungen prägen den Wahlkampf bisher und ganz bestimmt sprechen sie auch viele Wähler an. "Endlich mal einer, der auf political correctness pfeift", hört man oft. Dabei weiß Trump, dabei wissen an Politik Interessierte und wahrscheinlich auch die meisten seiner Anhänger, dass das meiste halt wirklich Getöse ist und völlig unrealistisch. Ein US-Präsident hat nur begrenzte Macht, das hat auch Barack Obama mehr als einmal erfahren müssen. Auch ein Donald Trump wird dieses riesige Land nicht im Handstreich verändern können. Weil nämlich auch bei den Republikanern, die derzeit die Mehrheit im Kongress stellen, längst nicht alle hinter dem Gepoltere des Milliardärs stehen. Von den Endorsements, also den Wahlempfehlungen aus den Reihen republikanischer Amts- und Funktionsträger, hat Trump nicht eine einzige bekommen, die gingen vor allem an Cruz, an Rubio und an Bush. Tatsächlich, auch Ihnen die mediale Aufmerksamkeit gefällt, hätten die richtigen, echten Republikaner nämlich gerne einen der ihren als Kandidaten gegen - vermutlich - Hillary Clinton und am allerliebsten Marco Rubio, weil Ted Cruz einfach nicht besonders viele Freunde in der Partei hat. Aber notfalls auch lieber den, auch wenn der Senator aus Texas ein bisschen viel Konservatives mit sich bringt.

In Texas findet die Vorwahl der Republicans am 01. März statt, am Super Tuesday, an dem so viele Wahlmännerstimmen für den nationalen Parteitag vergeben werden, dass er wohl vorentscheidend sein wird. Sollte Ted Cruz seinen eigenen Heimatstaat, in dem es allein 155 Stimmen zu gewinnen gibt, nicht für sich entscheiden können, dann wird es Kräfte geben, die ihn zum Rückzug werden bewegen wollen. Dann hätte die Partei noch zwei Wochen Zeit, um die Stimmen der Fans von Cruz, von Bush und von einigen anderen, die schon nicht mehr dabei sind, hinter Rubio zu vereinen, denn 14 Tage später finden die Vorwahlen in dessen Heimatstaat Florida statt. Sollte da dann kein deutlicher Rubio-Sieg bei herauskommen, dann stünde der Kandidat der Republikaner wohl fest und das wäre dann gar kein richtiger Republikaner.

  

2/08/2016

Gotik made in Iowa

"Europäer wollen keine amerikanische Kunst. Sie denken, das Land wäre zu neu für jede Art der Kultur und zu primitiv und zu unterentwickelt."

Als sich Grant Wood derart desillusioniert äußerte, befand er sich in Europa, genauer in München, wo er eine Auftragsarbeit ausführte und sich dem Studium der Techniken der alten Meister in der Pinakothek hingab. War es diese Frustration, dieses Anrennen gegen undurchdringliche Mauern, was Grant Wood dazu brachte, ein solches Meisterwerk zu schaffen, dass es sinnbildlich nicht nur für einen neuen Stil, sondern gleich auch noch für eine ganze Region stehen konnte?

Sein Gemälde "American Gothic" ist eines, das man sich, besonders als Amerika-Freund, immer wieder gern ansieht. Es gibt wenige Bilder, in denen das ländliche, urtypische, hart arbeitende Amerika des Mittleren Westens so eindrücklich dargestellt wird. Es gibt überhaupt wenige Bilder, die eine Atmosphäre und eine Lebenseinstellung allein schon mit dem Gesichtsausdruck einer abgebildeten Person so zuverlässig darstellen können. Der Mann in dem Gemälde, übrigens dargestellt von Grant Woods Zahnarzt und mitnichten von einem Farmer, schaut den Betrachter direkt an und in seinen Mundwinkeln liegen sowohl das Bestellen der Felder, als auch die Gleichtönigkeit von Iowas Alltag, als auch die familiäre Verantwortung gezeichnet.

Letztlich zeichnet es einen Künstler aus, Inspiration in den Winkeln des Alltäglichen zu finden. Das Haus, das Wood als Hintergrund für sein Gemälde wählte, steht in Eldon in Iowa und hat, ebenso wie der ganze Ort, eigentlich nichts Besonderes. Eben jenes Durchschnittliche ist es, was den Stil des Regionalismus auszeichnete, der in den 1930er Jahren der amerikanischen Kunstszene einen frischen Akzent verlieh - und auch in Europa für viel Aufsehen sorgte, womit Wood sich letzten Endes selbst widerlegt hatte.