Wo die zweite Scheibe Käse auf dem Cheeseburger herkommt

Es türmt sich ein gewaltiger Berg auf. Er besteht aus Käse und er wächst jeden Tag weiter. Ein erhellender Artikel bei Vox.com warf neulich ein Schlaglicht auf das kaum für möglich gehaltene Spannungs- und Interdependenzverhältnis zwischen China, amerikanischer Käseproduktion, Russland und dem Rückgang des Anteils der weißen Bevölkerung in den USA. Das alles fügt sich tatsächlich zusammen und diese Story geht ungefähr so:


Mehr als 500 Millionen Kilo Käse lagern derzeit in Kühlhäusern überall im Land, das Ergebnis einer hemmungslosen, profitgetriebenen Überproduktion in den letzten Jahren. Diese wiederum war die Folge eines Aufschwungs für die chinesische Mittelklasse vor zwei Jahren, die sich in einem Heißhunger der Chinesen auf Milchpulver ausdrückte. Sicher auch auf andere Dinge wie Reisen nach Europa und Luxusuhren aus Schweizer Produktion, aber eben auch auf Milchpulver.

Der amerikanische Farmer handelte schnell, kaufte Extra-Kühe und fuhr die Produktion von Milch hoch. Dank der Chinesen stiegen die Preise kräftig und da wollte der amerikanische Farmer gerne mitmachen. Doch dann spielten die politischen Entwicklungen nicht mehr mit. Chinas Wirtschaft kam ins Stocken, die EU hob die Deckelung der Milchproduktion auf, der steigende Dollarkurs machte amerikanische Produkte teurer, die Russen waren beleidigt und wollten keine westlichen Lebensmittel mehr kaufen und plötzlich war da viel zu viel Milch und viel zu viele Kühe, die immer weiter Milch produzierten.

Die Milch kam auf den heimischen Markt, wo sich die Verbraucher über billige Milchpackungen freuten und die Käsemacher auf einmal günstige Rohstoffe vorfanden. Nur - so viel Käse können die Amerikaner nicht essen. Zumal die weiße Bevölkerung, die früher im Durchschnitt am meisten Milch konsumierte, immer geringere Anteile an der Bevölkerung stellt. Und so verdirbt der Käse jetzt langsam und noch viel schneller verdirbt die Milch, die gar nicht erst an die Käsemacher verkauft werden konnte. Manchmal verdirbt sie so schnell, dass die Milchhersteller ihre Produkte einfach in die Landschaft ablassen müssen.

Die Regierung musste eingreifen. Zur Regierung gehört das Landwirtschaftsministerium und das kauft immer mal für ein paar Millionen Milch und Käse auf, damit nicht noch mehr Milch- und Käsemacher pleite gehen. Zum Landwirtschaftsministerium gehört auch die Marketinggesellschaft Dairy Management Inc. (DMI), die bei Unternehmen dafür wirbt, dass sie mehr Milchprodukte kaufen und verarbeiten sollen. Zum Beispiel hat die DMI McDonald's davon überzeugt, dass Cheeseburger mit zwei Scheiben Käse einfach besser schmecken.

Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. Die Amerikaner müssten viel, viel mehr Käse essen, das würde helfen, aber auch dann bleibt noch immer ein riesiger Berg übrig. Vielleicht brauchen die Chinesen ja bald wieder Milchpulver.

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