Russlands Kolonie in Kalifornien

Mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche bekamen die USA am 30. März 1867 dazu, als sie dem schwer in Geldnot geratenen russischen Zaren Alaska abkauften. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten sich Russen in Alaska niedergelassen, sie lebten in aller Regel vom Pelzhandel - wobei sie die eingeborene Bevölkerung der Aleuten als Sklaven benutzten. Allerdings hatte man die Population der Otter, auf deren Fell es die Kolonialherren abgesehen hatten, ziemlich rasch so weit dezimiert, dass sich das Jagd-Business nicht mehr richtig lohnte. Auch das mit der Landwirtschaft wollte auf Alaska Boden nicht so recht funktionieren und so wurde es Zeit, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen.


So fiel der Blick auf Kalifornien. Dort hatten die Spanier zu jener Zeit schon allerhand Kolonien errichtet und es ging ihnen nicht schlecht. Die Russen hatten mit den Spaniern zuvor schon so einiges an Handel getrieben und gemeinsam auf die Jagd gegangen war man an der kalifornischen Küste auch schon. So kannten sie die Region also und, mal ehrlich, irgendwie sah Kalifornien halt auch ansprechender aus als Alaska. Fruchtbare Böden gab es da und auch Otter.

Ab 1808 begannen so die Bemühungen um die Errichtung einer permanenten russischen Siedlung in Kalifornien. So richtig wollte das anfangs nicht klappen und nach und nach tauchten dann auch immer mehr Otterpelzjäger in den Gewässern auf, so dass die Beute auch hier bald knapp wurde. Einige kleinere russische Siedlungen entstanden dennoch, mit einem Fort als Zentrale, das später von französischen Entdeckern als "Fort Ross" bezeichnet wurde, wobei das "Ross" auf "russisch" und eine Lautverschiebung zurückzuführen ist.



Doch so richtig glücklich wurden die Russen hier auch wieder nicht. Ein Chronist beklagte nach einiger Zeit, dass das Fort und die Ländereien nur Ausgaben, aber kaum Ertrag einbrachten - die landwirtschaftlichen Bemühungen waren wenig erfolgreich. So verloren sie bald den Spaß an ihren kalifornischen Ländereien und suchten nach jemandem, der ihnen das Fort und die Siedlungen abkaufen würde, zunächst erfolglos. Schließlich war es John Sutter, der deutsch-schweizerische Pionier, der maßgeblich zur Entwicklung Kaliforniens beigetragen hatte, der Fort Ross kaufte, für 30.000 Dollar. Das war das Ende der russischen Kolonie in Kalifornien.

Doch eine Geschichte mit russischer Beteiligung kommt natürlich nicht ohne Komplikationen aus. 2009 drohte dem kalifornischen State Park aus finanziellen Gründen die Schließung. Schließlich sprang eine russische Firma aus New York ein und half mit einer Finanzspritze aus. Und in jüngerer Vergangenheit haben irgendwelche Leute mit Agenda die Geschichte um Sutter wieder ausgegraben und die Behauptung aufgestellt, dass die 30.000 Dollar nie bezahlt worden seien. Aus diesem Umstand, so geht die Legende weiter, erwachse natürlich auch im Jahr 2016 noch ein Anspruch Russlands auf die Ländereien. Die Tatsache, dass Sutters Zahlung belegt ist, spielt bei einer solchen Agenda natürlich keinerlei Rolle.


Fort Ross California State Historic Park, bei Jenner im Sonoma County, täglich geöffnet
http://www.parks.ca.gov/?page_id=449   

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