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Als Russland 2014 die Ukraine überfiel und dem Land einige Regionen gewaltsam entriss, da schalteten die Ukrainer den annektierten Gebieten irgendwann den Strom ab, weil sie die Invasoren nicht unterstützen wollten. Der Verkehr konnte nicht mehr reguliert werden, Lebensmittel nicht mehr gekühlt und in Krankenhäusern fielen wichtige Geräte aus. Die Russen fuhren daraufhin einen Generator auf den zentralen Platz - und schlossen daran einen riesigen Monitor an. Die Dauerversorgung mit Propaganda aus dem russischen Fernsehen durfte nicht unterbrochen werden.

Die kleine Episode illustriert, dass in autoritären Regimes die Übernahme der Kontrolle über die Medien eine zentrale Rolle spielt. Die Medien sind Vehikel und Instrument einer Demokratie, sie werden als Gegengewicht gebraucht. Die Pressefreiheit ist eines der höchsten Güter einer demokratischen Gesellschaft. In Nordkorea gibt es einen Staatssender und 26 Seiten im staatlich geregelten Internet, in den USA gibt es an jedem Ort hunder…

Don't text and walk

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Das Problem der Handy-Nutzung beim Autofahren, inzwischen auch in Europa ein alltägliches und sehr gefährliches Ärgernis, war zuerst in den USA aufgetreten. Inzwischen scheint es uns schon ewige Zeiten her zu sein, dass dieses Phänomen neu war und es erstmals Menschen gab, die während einer Autofahrt unbedingt eine SMS schreiben mussten.

Inzwischen hat sich das Problem erweitert. Nicht mehr nur Autofahrer greifen zum Handy, sondern auch Radfahrer und Fußgänger können immer öfter den Blick kaum vom Display lenken. Das hat an vielen Orten bereits zu schweren Unfällen geführt, eben weil Tinder wohl oft interessanter ist als eine Ampel. 2016 sind in den USA fast 6.000 Fußgänger bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen und viel zu oft spielte in diesen Fällen Unachtsamkeit eine Rolle. In einigen amerikanischen Städten haben sich die lokalen Behörden daher dazu entschieden, auch bei Fußgängern dafür zu sorgen, dass sich die Aufmerksamkeit auf die Vorgänge um sie herum richtet, nicht auf vir…

Ein Nachlass für alle

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Mehrere Jahre lang zog Rita Poe mit ihrem Pickup und ihrem glänzenden Airstream-Wohnwagen durch den Westen der USA. Tausende Fotos musste sie gemacht haben; Tiere, Pflanzen, Landschaften und sie musste tausenden Menschen begegnet sein in diesen Gebieten, die das ganze Jahr über Besucher aus aller Welt anziehen. Aber einen Zugang zu ihr hat wohl niemand von diesen Menschen gefunden und Rita Poe hat wohl auch nie Bedarf daran gehabt, dass es jemand versucht.

Als Rita Ende 2015 verstarb - ihr Pickup parkte gerade in der Nähe des Olympic Nationalparks - da fiel die Aufgabe, ihr Erbe zu verwalten an Nancy Zingheim, Campingplatz-Verwalterin in Washington, die sie flüchtig kannte und ihr irgendwann versprochen hatte, sich um den Nachlass zu kümmern, wenn es mal so weit wäre.

Nancy dürfte nicht schlechte gestaunt haben, als ihr klar wurde, womit sie es da zu tun hatte. Rund 800.000 Dollar galt es da zu verteilen und Rita hatte eine Liste gemacht mit den Empfängern. Auf der Liste: Zwölf Natur…

Nepper, Schlepper, Freiheitsstatue

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Man wird zwar selten von Teppichhändlern belagert und in der Regel auch nicht von Taxifahrern übers Ohr gehauen, aber dennoch sind viele Orte in den USA auch Orte, an denen sich mit Touristen viel Geld verdienen lässt. Diese Tatsache wiederum verführt gelegentlich den einen oder anderen halbseidenen Anbieter, es auf die nicht hundertprozentig ehrliche Tour versuchen zu wollen. Gerade in touristischen Hotspots wie Orlando, New York oder Las Vegas muss man natürlich ein bisschen auf der Hut sein, wobei der gesunde Menschenverstand der beste Ratgeber ist. „If it sounds too good to be true, then it probably isn’t“ lautet ein in Amerika gebräuchliches Sprichwort und es ist in der Tat eine gute Leitlinie.
Ein Beispiel für eine Situation, in der Touristen leicht auf die falsche Spur gelockt werden können, ist der Besuch der Freiheitsstatue in New York. Als weltweit bekanntes Symbol Amerikas ist die Skulptur eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des ganzen Landes, jeden Tag interessieren…

Totempfahl der Waffenkultur

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Rhode Island, der kleine Ocean State im Nordosten, hat eine Menge zu bieten, was Touristen aus Europa leider oft verborgen bleibt. Die Atlantikstrände wären da zu nennen; die schöne Küste, vor der oft und gut gesegelt wird und liebenswerte Städte wie Providence oder Newport.

Manche Sehenswürdigkeit aber ergibt sich, hier wie an anderen Orten, erst beim zweiten Hinsehen. Vor dem Gerichtsgebäude in Providence zum Beispiel steht ein Betonpfeiler mit Rostflecken. Denkt man zumindest, bis man etwas genauer hinsieht. Dann entpuppen sich die Rostflecken als verrostete Pistolen. Handfeuerwaffen in Beton, das muss Kunst sein. Oder?

Der Hintergrund des im Volksmund als "Gun Totem" bekannten Kunstwerks liegt in einer ziemlich pragmatischen und ziemlich erfolgreichen Idee. Michael P. Hirsh, ein Kinderarzt aus Neu-England, hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der sich auf den Straßen im Umlauf befindlichen Handfeuerwaffen zu reduzieren. Hirsh hatte selbst miterleben müssen, wie ein b…

Utqiagvik

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Utqiagvik - das klingt ein bisschen so, als ob es sich um ein traditionelles indonesisches Reisgericht handelt oder um den Namen eines Bürodrehstuhl bei IKEA. Ist es aber nicht. Utqiagvik ist der neue Name des Örtchens Barrow, von dem sich vornehmlich Bilder wie dieses finden lassen.



Das ist, genau genommen, sogar ein ziemlich charakteristisches. Denn wenn irgendwo hinter dem Ort Mitte November die Sonne untergeht, dann sieht man sie erst Mitte Januar wieder. Utqiagvik ist die nördlichste Stadt der USA. Rund 4000 Menschen leben hier, gut 60% davon sind Ureinwohner Alaskas und die Abgeschiedenheit ihres Wohnorts hat wahrscheinlich mit dazu beigetragen, dass uralte Traditionen sich hier besonders gut haben erhalten können. 
Aber zurück zur Namensgebung. Ein paar Kilometer außerhalb der Kleinstadt liegt Point Barrow, der nördlichste Punkt der USA, von einem englischen Geographen 1825 nach einem ebenfalls englischen Admiral benannt. Der Ort bekam den fremden Namen sozusagen übergestülpt; …

TV-Demokratie

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Wir leben in Zeiten, in denen Umfragen nicht mehr so recht in der Lage zu sein scheinen, politische Stimmungen richtig zu interpretieren. Also müssen neue Maßstäbe und Orientierungspunkte her. Die New York Times, die ihrerseits seit dem 9. November gedanklich damit zu kämpfen hat, dass Außenseiter Trump die Wahl gewonnen hat, scheint diese Ankerpunkte nun gefunden zu haben - auf dem Fernsehbildschirm.



Das sind die Robertsons. Die Robertsons betreiben in Louisiana eine Fabrik für Ententröten, also für Pfeifen, die den Lockruf von Enten imitieren. Das ungewöhnliche (übrigens millionenschwere) Unternehmen und die nicht minder ungewöhnliche Familie sind das Thema einer Reality-TV-Serie namens "Duck Dynasty", die seit 2012 im amerikanischen Kabelfernsehen läuft. Bei den Robertsons geht es in der Regel rustikal zu. Man ist bibelfest, man mag moderne Technik weniger gern und man mag es auch nicht besonders, wenn Frauen aus den ihnen zugedachten Rollen auszubrechen suchen. Patriarch…